Berliner Herzinfarktregister e. V.
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Übersicht

                                                                                                                                                                                                        

                                                                                                                                                                                                               

 

Berliner Herzinfarktregister e.V.

 

Gemeinnütziger Verein zur
Verbesserung der Vorbeugung,
Erkennung und Behandlung
des akuten Myokardinfarkts

 

 

Berliner Herzinfarktregister e.V.
am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen (MiG)

Technischen Universität Berlin

Einsteinufer 17 - EN15

10587 Berlin
Tel:  030-314 76672, Fax: 030-314 76663

E-mail: herzinfarktregister@tu-berlin.de

 

Leitung der wissenschaftlichen Dokumentationsstelle:

Dr. med. Birga Maier, MPH

 

Inhalt

 

Berliner Herzinfarktregister e.V.

Einleitung

Sicherung der Qualität der stationären Versorgung von Herzinfarktpatientinnen und -patienten in Berlin ist das vorrangige Ziel des Berliner Herzinfarktregisters (BHIR). Diesem Ziel haben sich seit 1998 Vertreter aus fast allen Berliner kardiologisch tätigen Abteilungen verpflichtet: Sie wollen zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten die stationäre Herzinfarktversorgung verbessern. Seit 2014 öffnet sich das BHIR auch den Brandenburger Kliniken.

Mit seinem regionalen Ansatz und der Datenerhebung im nunmehr 17. Jahr ist das BHIR im bundesrepublikanischen Kontext einmalig und kann nicht nur auf eine interessante Geschichte zurückblicken, sondern ist mit neuen innovativen Projekten auch für die Zukunft initiativ. So kann anhand der Daten des BHIR gezeigt werden, dass der Anteil an Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkt, die die nach Leitlinien empfohlene mechanisch operativ wiedereröffnende Therapie des verschlossenen Herzkranzgefässes erhalten, von 19% im Jahr 1999 auf 90% bis heute gesteigert werden konnte. Im gleichen Zeitraum sank die Kliniksterblichkeit bei Herzinfarktpatienten und -patientinnen von 13,4% auf 5,7%.

Datenerhebungen sind nur dann sinnvoll, wenn die Daten auch aktiv genutzt und diskutiert werden. Dies ist der Grundpfeiler der Philosophie des BHIR. Jährlich erhalten die am BHIR teilnehmenden Abteilungen einen Bericht, in dem die abteilungsspezifischen Daten mit der Gesamtheit der ins BHIR eingeschlossenen Patientinnen und Patienten verglichen werden. Seit 2004 wird regelmäßig auch ein Klinikvergleich durchgeführt, in dem die einzelnen Kliniken miteinander verglichen werden. Auffälligkeiten werden gemeinsam diskutiert und beobachtet.

Neben den abteilungsspezifischen Auswertungen beschäftigt sich das BHIR auch mit Fragestellungen von übergeordnetem Interesse. So hat sich das BHIR mit der Frage beschäftigt, warum Frauen häufiger im Krankenhaus an ihrem Herzinfarkt versterben als Männer? Oder das BHIR hat analysiert, wie die Versorgung von Herzinfarktpatientinnen und -patienten innerhalb der regulären Dienstzeit der Ärzte im Vergleich zu außerhalb der regulären Dienstzeit aussieht. Ergebnisse dieser Auswertungen werden regelmäßig auf Kongressen vorgestellt und in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Durch die Veröffentlichungen wird das vorhandene Wissen in die tägliche Praxis überführt und trägt damit zur Verbesserung der Versorgung bei. 

Das BHIR ist als gemeinnütziger Verein organisiert mit Sitz an der TU Berlin. Mitglieder des Vereins sind die Vertreter aus den Berliner Kliniken. Die Basisfinanzierung des Vereins erfolgt über Kooperationsverträge mit den Krankenhausträgern der Berliner Kliniken. Für Spezialprojekte werden zusätzliche Mittel von Dritten eingeworben. Das BHIR kooperiert darüber hinaus mit dem Lehrstuhlinhaber am Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Prof. Dr. Wegscheider, des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

An der 1. Phase des BHIR (1999-2002) nahmen bis zu 27 Berliner Krankenhäuser teil. Mit einem 4-seitigen Erhebungsbogen wurden Daten zu Risikofaktoren, zum Schweregrad der Erkrankung bei Aufnahme, zu Diagnose- und Therapiestrategien und zur intrahospitalen Letalität erfasst. Im genannten Zeitraum wurden Daten von ca. 7000 Patienten mit akutem Myokardinfarkt gesammelt. Vom 1.10.2003 – 31.3.2008 wurde das BHIR in einer 2. Phase mit einem verkürzten Erhebungsbogen weitergeführt. Seit dem 1.4.2008 wird das BHIR in einer 3. Phase weitergeführt mit einem wiederum verkürzten und an die EU-weite Erhebung zum Herzinfarkt (CARDS) angepassten Erhebungsbogen. Ende 2012 nahmen 19 Berliner Klinikstandorte am BHIR teil. Bis Ende 2014 waren Daten von fast 36.000 Patienten erfasst.  

Weitere Informationen zum Berliner Herzinfarktregister entnehmen Sie bitte auch unserer Homepage www.herzinfarktregister.de.

 

Prof. Dr. Heinz Theres  Dr. Birga Maier, MPH
Vorsitzender Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

 

Aktivitäten des Vereins im Detail

Qualitätssicherung

Die einzelne Klinik im Vergleich zur Gesamtheit (jährliche Auswertung)

Das BHIR schickt den am Register beteiligten Krankenhäusern jedes Jahr einen Bericht mit einer deskriptiven Auswertung ihrer gesammelten Daten zu. Der Bericht beinhaltet einen Vergleich der Patienten und ihrer Charakteristika, sowie ihrer Behandlung und ihrem Outcome in dem jeweiligen Krankenhaus mit dem Gesamtdurchschnitt aller am Register teilnehmenden Krankenhäuser. Damit wird ein Beitrag zur Qualitätssicherung in der Versorgung geleistet.

 

Die einzelnen Kliniken im Vergleich untereinander

Im Jahr 2006 wurde erstmalig ein Workshop zum Vergleich der Versorgungsqualität in den am BHIR teilnehmenden Kliniken durchgeführt. Dieser von Prof. Wegscheider (UKE Hamburg) durchgeführte Klinikvergleich wird seitdem regelmäßig wiederholt und die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Gegensatz zu dem deskriptiven Vergleich der einzelnen Klinik mit der Gesamtheit (s.o.) werden bei dem Klinikvergleich in Kooperation mit Prof. Wegscheider die einzelnen Kliniken pseudonymisiert miteinander verglichen. Dazu bedarf es einer statistisch komplexen Auswertung:

-   Da die Fallzahlen pro Klinik klein sein können, werden die Daten der Kliniken für den Vergleich um den Zufall bereinigt (Empirical Bayes Schätzer).

-   Das beobachtete Outcome hängt nicht nur von der Behandlung sondern auch von den Patientencharakteristika ab; werden in ein Krankenhaus z.B. nur ältere Herzinfarkt-patienten und -patientinnen eingeliefert und in ein zweites Krankenhaus nur Patienten, die im Schnitt 10 Jahre jünger sind, dann hat dies unabhängig von der Therapie Auswirkungen auf das Outcome. In dem Krankenhaus mit den älteren Patienten wird die Krankenhaussterblichkeit höher sein als in dem Krankenhaus mit den jüngeren Patienten. Aufgrund der Unterschiede zwischen den Patienten werden bei dem Klinikvergleich die Daten der Kliniken um die Unterschiede zwischen den Patienten bereinigt (Adjustierung). 

Im Vergleich der letzten Jahre lässt sich zeigen, dass sich die Versorgungsqualität und das Outcome in den am BHIR teilnehmenden Kliniken nicht wesentlich unterscheiden und dass sich die Kliniken in Behandlung und Outcome einander angleichen, welches ein bei wiederholten Klinikvergleichen häufig zu beobachtendes Phänomen ist.

 

Monitoring

Im BHIR findet regelmäßig ein Peer-Monitoring statt, bei dem stichprobenartig die Inhalte der BHIR-Erhebungsbögen mit den Patientenakten vergleichen werden.


 

Symposien des BHIR

Seit 2000 finden jährlich Symposien statt, in denen die Datenauswertungen den Vertretern aller am Register teilnehmenden Kliniken und der interessierten Fachöffentlichkeit präsentiert und gemeinsam mit den Ärzten diskutiert werden. Themen der Symposien der letzten Jahre waren:

2006: Aktuelles zur Diagnostik und Therapie des Akuten Koronaren Syndroms

2007: Externe Qualitätsdarlegung in der Kardiologie – zwischen Populismus und Politik: Qualitätsorientierte Versorgungssteuerung in der Kardiologie

2008: Versorgungsrealität von Herzinfarktpatienten in Berlin: Daten der amtlichen Statistik im Vergleich zu Daten des BHIR

2009: Qualität der Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin: Unterscheiden sich die Daten von BHIR und AOK?

2010: 10-Jahresfeier des BHIR: Herzinfarktversorgung in Berlin (historisch und aktuell) und im Vergleich zu anderen Metropolen

2011: Die Versorgungskette bei Patienten und Patientinnen mit Herzinfarkt in Berlin (Feuerwehr, Rettungsstelle, Kliniken)

2012: Prävention des Schlaganfalls bei Patienten mit Herzinfarkt und Vorhofflimmern

2013: Herzinfarktbericht Berlin. Strukturen, Prozesse, Outcome

2014: Prästationäre und stationäre Erstversorgung  von Herzinfarktpatienten in Berlin

 

Datenanalysen und Diskussionen

In Arbeitsgruppen werden Datenanalysen erarbeitet und Vorträge und Publikationen vorbereitet. Auf den regelmäßig stattfindenden öffentlichen Vorstandssitzungen finden rege Diskussionen der analysierten Daten statt. Diese Diskussionen stellen einen wichtigen Grundpfeiler der Arbeit des BHIR dar, denn in diesen Diskussionsrunden wird krankenhaus-trägerübergreifend diskutiert und überlegt, wie die Versorgung der Herzinfarktpatienten in Berlin verbessert werden könnte. Schwerpunktmäßig wurden folgende Themen bearbeitet:

 

Kooperation mit der Senatsverwaltung für Gesundheit

Das BHIR kooperiert eng mit der Senatsverwaltung für Gesundheit. Für den Berliner Jahresgesundheitsbericht des Berliner Senats erstellt das BHIR regelmäßig Beiträge, die Basisdaten und -informationen zur spezifischen Situation der Patienten mit akutem Herzinfarkt in Berlin liefern.

 

Öffentlichkeitsarbeit des BHIR

 

Aus- und Weiterbildung

Lehre an der Charité im Studiengang Gesundheitswissenschaften/Public Health und im Studiengang Health & Society und Betreuung von Promotionen und Abschlussarbeiten

 

Zusammenfassung

Das BHIR ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Berliner kardiologisch tätigen Krankenhausärzten. Es bietet ein Forum,

-   in dem krankenhausträgerübergreifend konstruktiv diskutiert wird,

-   in dem die Patientenversorgung (und nicht die Abteilungsinteressen) im Vordergrund steht,

-   in dem über die Zeit das entsprechende Vertrauen aufgebaut werden konnte, das für derartige Diskussionen notwendig ist,

-   das Versorgungsprobleme aufgreift und entsprechende Initiativen für Veränderungen initiiert,

-   das neue Projekte anschiebt.

Das BHIR ist mit seinem regional Bezug und seiner Kontinuität der Erhebung - nunmehr im 17. Erhebungsjahr - im Kontext der Bundesrepublik einmalig. So gehörte das BHIR im Jahr 2013 zu den Preisträgern des Berliner Gesundheitspreises und wurde ausgezeichnet als Paradebeispiel dafür, wie durch Zusammenarbeit und strukturiertes Lernen aus dem Alltag die Patientenversorgung systematisch verbessert werden kann.

 

Projekte des BHIR

 

Patienten mit Herzinfarkt und Vorhofflimmern

(1.4.2011 – 30.9.2012 Friede Springer Herz Stiftung gefördert)

Vorhofflimmern ist die häufigste, anhaltende Herzrhythmusstörung. Man schätzt, dass in Deutschland ca. 1 Million Patienten davon betroffen sind. Da Vorhofflimmern zumeist bei Patienten in höherem Lebensalter auftritt, wird die Prävalenz aufgrund der demoskopischen Entwicklung in den nächsten Jahren steil ansteigen. So wird geschätzt, dass sich die Zahl der Patienten mit Vorhofflimmern bis zum Jahre 2050 mehr als verdoppeln wird.

Eines der klinischen Hauptprobleme in Bezug auf Vorhofflimmern ist das Schlaganfall-Risiko. Zirka 15-20% aller Schlaganfälle werden durch Vorhofflimmern verursacht. Durch eine gerinnungshemmende Medikation ist das Schlaganfallrisiko erheblich zu vermindern.

Ein besonderes Problem stellen Patienten mit Vorhofflimmern dar, die notfallmäßig bei einem akutem Herzinfarkt mit einem Stent versorgt werden müssen. Diese Patienten müssen neben der gerinnungshemmenden Medikation wegen des bestehenden Vorhofflimmerns zusätzlich mit einer dualen Kombination von Plättchenhemmern behandelt werden. Sie erhalten damit insgesamt 3 verschiedene Substanzen, die die Blutungsneigung deutlich steigern (bis zu 12% schwere Blutungen innerhalb von 12 Monaten).

Das Projekt Patienten mit Herzinfarkt und Vorhofflimmern im Rahmen des BHIR geht daher der Frage nach, welche spezifische gerinnungs- und plättchenhemmende Therapie derzeit bei Patienten mit Vorhofflimmern und akutem Herzinfarkt in Berlin zur Vermeidung von Schlaganfällen und Reinfarkten eingesetzt wird. Darüber hinaus wird ermittelt, ob sich die Behandlungspraxis durch Einführung von neuen Präparaten zur Standardtherapie ab 2011/2012 verändert.

Vergleich Routinedaten der AOK mit Primärdaten des BHIR

(ab 1.2.2012 - 31.1.2015 BMBF gefördert)

Die Erhebung von Primärdaten zur Beurteilung der Qualität der Versorgung stellt zwar nach wie vor den Goldstandard dar, wird aber als teuer und aufwendig angesehen, wenn zuverlässige und valide Aussagen über große Patientenkollektive und über verschiedene Erkrankungen getroffen werden sollen. In der neueren Diskussion wird deshalb gefordert, zur Beurteilung der Qualität der Versorgung auf existierende Routinedatensätze der Krankenkassen zurückzugreifen, um die Kosten und den Aufwand, die bei der Primärdatenerhebung entstehen, zu reduzieren.

In unserer Studie werden deshalb die Daten der bei der AOK Nordost versicherten Berliner Herzinfarktpatientinnen und -patienten mit den Daten aus dem Berliner Herzinfarktregister verglichen, um in Erfahrung zu bringen, unter welchen Bedingungen Routinedaten zur Beurteilung der Qualität der Versorgung eingesetzt werden können.

BHIR First Medical Contact (FMC) Studie gemeinsam mit Berliner Feuerwehr

(Preisgeld Berliner Gesundheitspreis und Eigenmittel seit 1.4.2014)

Neben der Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mittels Herzkatheter steht die Schnelligkeit der Versorgung, vor allem für Patienten mit ST-Streckenhebung im EKG (STEMI), im Vordergrund der Behandlung. Deshalb analysiert das BHIR regelmäßig die Versorgungszeiten und spiegelt diese den Kliniken zurück. Durch die Änderung der Leitlinien zur Therapie von STEMI Patienten vom Herbst 2012 wird das Thema noch betont, denn die neuen Leitlinien sind sehr ambitioniert und geben vor, dass STEMI Patienten, die direkt in eine Klink mit Katheterlabor kommen, binnen 60 Minuten wiedereröffnend behandelt sein sollen.

Das BHIR hat sich intensiv mit den Versorgungszeiten von Herzinfarktpatienten in Berlin auseinander gesetzt und hierzu mehrere Datenanalysen auf Kongressen präsentiert, die zeigen, dass die Versorgungszeiten abhingen vom Alter und Geschlecht der Patienten, von der Prähospitalzeit, von der Form der Erstversorgung (Notarzt, Rettungssanitäter, Hausarzt oder Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, Selbsteinweiser) und vom Klinikaufnahmezeitpunkt (innerhalb oder außerhalb der regulären Dienstzeit der Ärzte).

Da die reguläre Erhebung im Rahmen des BHIR eine detaillierte Analyse der prähospitalen Versorgung der Herzinfarktpatienten sowie der Schnittstelle zum Krankenhaus nicht erlaubt, wurde für vertiefende Analysen die BHIR First Medical Contact (FMC) Studie ins Leben gerufen, in der die Versorgungsrealität der mit Notarzt erstversorgten Herzinfarktpatienten abgebildet wurde mit dem Ziel, weitere Schritte zur Verkürzung der Versorgungszeiten zu antizipieren und damit die Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin weiter zu verbessern (gemeinsam mit Berliner Feuerwehr).

 

 

Verein Berliner Herzinfarktregister e. V.

Im September 2000 wurde der gemeinnützige Verein Berliner Herzinfarktregister e.V. gegründet. Sein Zweck ist es, die Krankenhäuser und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens bei einer verbesserten Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Herzkrankheiten - insbesondere des Herzinfarktes - zu unterstützen. Darüber hinaus informiert der Verein die Öffentlichkeit vermehrt über die wirksame Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Verein hat  46 ordentliche Mitglieder (2015).

 

 

(Frage-) Erhebungsbögen für die 4. Phase

Den vom Herzinfarktregister verwendeten Erfassungsbogen  finden Sie in dieser Rubrik.

(nach oben)